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Baikal- Omsk- Moskau, 2008
Abgefasst von Adolf Klett, Heilbronn.

22.07.08 - 04.08.2008

1.Tag
Heilbronn - Moskau - Irkutsk - Omsk, 9000 km liegen vor uns, einer der letzten Reiseabenteuer.

Flug Frankfurt - Moskau 3 Stunden mit der Sibirien Airline, teilprivatisiert und international als zuverlässig angesehen. Landung auf dem neuen gewaltigen Flughafen Domodedovo, von hier 50 km bis Moskau-Mitte. Unser Hotel liegt auf halbem Weg und ist für 2 Nächte gebucht.

Erste Eindrücke, sehr starker Autoverkehr auf der 6-spurigen Zubringerstraße, am Hoteleingang Sicherheitsbeamter, daneben ein Geldautomat: Wenn man 50 einsteckt, kommen exakt 1837 Rubel heraus; das Hotelrestaurant ist rund um die Uhr geöffnet, usw.

2.Tag/3.Tag
Moskau kennen lernen. Als neu Russlandreisender Überraschung auf Überraschung bei den Besichtigungen. Sperlingsberg, Kreml, Rüstkammer, Roter Platz, Metro, Künstlerviertel Arbat und noch viel mehr hinterlassen einen großen Eindruck.

3. Tag, 18.00 Uhr
Anfahrt zum bekannten Flughafen auf wieder staugefährteter Zubringerstraße zum Nachtflug nach Irkutsk.
Start 21.15 Uhr Moskauer Zeit, zum 5000 km Flug. 23:00 Uhr Nachtessen, 1:00 Uhr Sonnenaufgang, 2:00 Uhr Frühstück und alles während des Fluges.

4.Tag
7:30 Uhr Landung in Irkutsk (5 Std. Zeitunterschied). 260 Passagiere bedanken sich mit Händeklatschen für guten Flug und Landung beim Flugpersonal. Zwei angelegte Treppen, zum Aussteigen, bringen uns wieder festen Boden unter die Füße. Keine Abfertigungshalle, keine Gebäude in Sicht, wir stehen mitten in der Steppe auf einem riesigen Rollfeld. Das Flugzeug der Sibirien Airline wirkt gewaltig vor dieser einsamen Landschaft. Wir sind in Sibirien angekommen! Drei Großraumbusse bringen die Passagiere zur Abfertigungsbaracke! Kofferkontrolle zur Person und wir sind dort wo wir hin wollten, in Irkutsk, Ausgangspunkt zum Baikalsee. Begrüßung durch Natascha, unserer Reiseleiterin für die nächsten Tage. Natascha ist Dozentin an der Hochschule, ihr Monatslohn beträgt 500,00 . Fahrt zum Hotel, zweites großes Frühstück an diesem vierten Tag. Am Nachmittag, Stadtrundfahrt mit Besichtigung bei manchmal chaotischem Autoverkehr. Auffallend ist, es gibt viele neue Autos und viele mit dem Lenkrad rechts im Auto, bei Rechtsverkehr. Irkutsk hat 64000 Einwohner, wurde erstmals erwähnt 1652 als Winterlager und Ausgangspunkt zur Eroberung des fernen Osten, bis Alaska 1761. Irkutsk liegt an der Transsibirischen Eisenbahn und am Fluß Angara. Die Stadt wird auch Paris Sibiriens genannt. Sie erlangte Bekanntheit durch die Dekabristen, die sich nach Jahren der Zwangsarbeit oder Verbannung hier nieder liesen, diese wiederum haben nachhaltig die geistig-kulturelle Entwicklung der Stadt beeinflusst. Die Kirchenlandschaft findet auch besondere Beachtung. Bei der Jahrhundertwende, gab es hier 20 Kirchen und über 50 Gebetshäuser! dies bei etwa 18000 Einwohnern. Anfang der 30er Jahre wurden viele dieser Baudenkmäler von den Kommunisten beseitigt. Fazit: Irkutsk, eine moderne, lebhafte Stadt, mit vielen alten Baudenkmälern und einem besonderen Flair (Menschen)

5.Tag
Fahrt nach Listvjanka, 65 km, hier beginnt der 1779 km lange Fluss Angara, sie ist er einzige Abfluss des Baikalsee. Auf halber Strecke Besuch des Freilichtmuseums Talzy mit vielen hölzernen Architekturdenkmale aus Ostsibirien aus dem 17.-20.Jahrhundert. Gepflegtes Mittagessen im Restaurant Baikal Legende. Der Besuch im Baikalsee-Museum mit seinen Süßwasser-Robben rundet diese Tagestour ab. Abends Abschlussessen im Bierlokal Hans bei selbstgebrautem Bier. Die Brauanlage wurde in Deutschland gekauft und die zu Bier verarbeitete Gerste wird in Australien geordert. Das Abendmenü war so großartig, dass viele Speisen wieder abgetragen wurden.

6.Tag
Fahrt zur Insel Olchon zum Camp Nikita im Ort Chuzir 350 km von Irkutsk. Unser Bus, russischer Bauart, hochbeinig mit 30 Sitzplätzen, der Innenraum mit blauen Vorhängchen bestückt. Die letzten Koffer werden durch die Fenster eingeladen und auf den Rücksitzen verstaut. Die Fahrt beginnt auf Straßen, die zum Teil neu sind oder noch im Bau. Bei Schaltvorgängen des Fahrers entstehen Geräusche wie bei einer Weinbergrätsche. Ein Reiterstandbild am Straßenrand zeigt an, hier beginnen die autonomen burjatischen Bezirke. Wir sind im Land der Burjaten, die Vorfahren der amerikanischen Indianer. Stop in Ust-Orda, Besuch des Heimatmuseums der Burjaten, Schamanenritual mit Beschwörung der 90 Geister, 45 davon sind gute Geister, mit Blick nach Osten und zum Himmel. Ein Mittagessen in der Jurte mit burjatischen Spezialitäten beendet den Stopp in Ust-Orda. Über hügelige Grasland-schaften, vorbei an großen Rinder- und Pferdeherden, Forche- und Birkenwälder wurde die Fähre, welche uns zur Insel übersetzen sollte, erreicht. Da die Fähre überfällig ist, wird kurzerhand ein Fischboot gechartert für 1000 Rubel (1 = 37 Rb) nach handeln. Auf der Insel warten bereits 3 geländegängige Kleinbusse, die uns zum 30 km entfernten Camp Nikita bringen und uns neue Autofahrgefühle vermitteln.



7.Tag/8.Tag
Auf der Insel Olchon
Unser Camp, eine Ansammlung von Hütten, Holzhäusern und Jurten, dem Koch kann man beim Kochen am offenen Feuer zuschauen, alles ist abenteuerlich. Die erste Exkursion galt der Ostküste der Insel. Die geländegängigen Kleinbusse, bringen uns auf Wegspuren zur sogenannten Oase, eine Lichtung im Walde mit Quelle, dem Picknickplatz. Die ganze Insel ist im leuchtendem Grün, es hat Tage zuvor geregnet, sonst wäre alles braun und dürr, meinte Natascha.
Auf der Anfahrt immer wieder kurze Halte mit traumhaften Fernblicken und Blumenwiesen mit vielen bekannten (z.B. Edelweiß) und unbekannten Blumen. Eine 1einhalb stündige Wanderung auf einem wildromantischen Pfad führte uns an die Ostküste der Insel. Der Baikalsee, die Perle Sibiriens zeigt hier eindrucksvoll seine majestätische Größe. Wellen brausen an die Steilküste mit ihren Granitfelsen und seinem steinigen Strand. In Seemitte können Wellenhöhen von 5-6 m Höhe entstehen, somit ist nicht übertrieben, wenn er auch mit Herrliches Meer, o heiliger Baikal besungen wird. Seine Tiefe ist hier 1637 m, die Länge 636 km und die Breite schwankt zwischen 27 und 80 km. Er ist der größte Süßwassersee der Erde und sein Alter wird auf ca. 25 Mio. Jahre geschätzt und noch etwas besonderes: Er wird jedes Jahr 2 cm breiter. Auf dem Rückweg zur Oase wieder vorbei an seltenen Blumen, Beerensträuchern sowie Johannisbeeren, die von den Einheimischen gepflückt werden. An die Oase zurückgekommen, wartet schon das Picknick mit Fischsuppe, Reis und Lachs, Tee und Keks. Auf dem Rückweg Halt an einer Schamanen-ritualstelle mit Ritual. Der Halt an einem Moorsee mit Badeeinlagen war nochmals ein Highlight des Tages. Weitere Programmpunkte wie, Ortsbesichtigung von Chusir auf seinen unbefestigten Sandstraßen, die bis zu 50 m Breite erreichen. Links und rechts der Straße, Bretterzäune und dahinter manchmal sehr schöne Blockhäuser. Eine Wanderung zum Heiligen Schamanenfelsen, er ist der Sage nach einer der unbekannten Grabstätten Dschingis-Chan t 1227 Jh. Und eine Abendfahrt im Fischerboot zum Krokodil (Insel) und der Vogelinsel, war nochmals ein Traum für Naturliebhaber.

9.Tag/10.Tag
Geländegängige Kleinbusse, Fähre und Bus bringen uns zurück nach Irkutsk zum nächsten abenteuerlichen Höhepunkt: Transsibirische Eisenbahn. Im Kaufhaus und auf dem Markt (westl. zuschnitt) wird noch Verpflegung eingekauft. Immenses Treiben vor der gewaltigen Bahnhofkulisse, erbaut in den 1890 Jahren, lässt die Spannung auf die Transsib wachsen. Unser Zug mit der Betriebsnummer 350 (kein Sonderzug), 18 Wagons, ist 450 m lang und unterwegs von Vladvostock nach Moskau 9259 km. Die Abfahrt des Zuges 17:20 Uhr ist pünktlich. Er ist nun für 2 Nächte und einen Tag unser Zuhause. Zum Zielbahnhof Omsk sind es 2460 km. Geschlafen wird in Doppelkabinen, direkt hinterm Speisewagen, das Mittag- und Abendessen wird im Abteil serviert, ein Samoar im Gang sorgt immer für Teewasser und dazu hilfreiches Zugpersonal, sind mitverantwortlich für die gute Stimmung der Reisegruppe. Ausblicke vom Zug auf Berge, Weideland, Taiga, Steppe und einsame Dörfer, machen die Zugfahrt sehr kurzweilig. Festzustellen war auch die Eisenbahnanlagen an der Strecke sind in hervorragendem Zustand.

11.Tag
8:30 Uhr Ankunft in Omsk, der 1.6 Mio Stadt nach 38 Stunden Bahnfahrt. Omsk hat ca. 4% Arbeitslose, war nach dem 2.ten Weltkrieg eine geschlossene Stadt, wegen militärischer Industrie. Transfer zum Hotel Tourist, Frühstück vom Buffet und Zimmerbezug im 11. Stock, mit wunderbarem Blick auf die Stadt. Nach kurzer Ruhepause, Fahrt mit dem Schulbus der Gemeinde Blumenfeld, zum deutschen Dorf Blumenfeld (60km). Die Landschaft dorthin ist topfeben, die Ährenfelder reichen beeindruckend bis zum Horizont. In Blumenfeld wohnen noch 700 deutschstämmige Bürger, und alles ist sehr gepflegt. Begrüßung durch den Bürgermeister und den deutschen Honorarkonsul. Der Bürgermeister betonte bei seiner Begrüßung, dass es rückkehrwillige Aussiedler gebe, die aber nicht mehr zurückkommen könnten, warum? Auch war er stolz, dass der Botschafter von Moskau schon 3 mal zu Besuch da war. Folklore mit Liedern auf deutsch und russisch waren weitere Highlights. Ein Picknick mit Birkenwäldchen wurde durch das Eintreten der vollkommenden Sonnenfinsternis gegen 16:00 Uhr nochmals zu einem Höhepunkte des Tages.

12 Tag/13.Tag
292 Jahre Omsk: Stadtfest der 25 Nationen und Omsker Marathon war angesagt. Standrundgang mit Besichtigung der Kosakenkirche, des Heimatmuseums, das interessanteste seiner Art in Sibirien. In der Gemäldegalerie der Stadt, gab es beim Begutachten des kleinsten Buches der Welt eine Überraschung durch das Kennenlernen dessen Künstlers. Weiterer Höhepunkt die neue ;Maria Himmelfahrts Kathedrale 1930 von den Kommunisten gesprengt und nach nur 2 Jahren Bauzeit 2007 wieder eingeweiht. Erstaunlich wie viele Bauwerke und Denkmäler aus zaristischer Zeit nach der Perestroika erneuert oder wieder neu erstellt wurden. Auffallend für uns Mitteleuropäer war auch wie modisch und elegant die Bevölkerung zum Teil gekleidet waren. Fazit: Omsk ist eine moderne Stadt und die Bevölkerung gegenüber uns Deutschen sehr freundlich und zuvorkommend eingestellt.

14. Tag
Schifffahrt auf der Om und Irtysch, welche beide zusammen zum Ob fliesen. Beeindruckend nochmals wie groß auch die Stadt vom Wasser aus ist.
16:30 Uhr Direktflug Omsk-Frankfurt, 17:30 Uhr Landung bei 5 Std. Zeitunterschied.
Es war eine runde Sache.